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Zwischen "Digger" und Prüfungsangst: wenn Ausbildung persönlich wird

In der Neuen Osnabrücker Zeitung ist kürzlich ein Artikel erschienen, der einen besonderen Blick hinter die Kulissen der dualen Ausbildung ermöglicht. Im Mittelpunkt steht ein langjähriger IHK‑Prüfer aus Bissendorf – unser Geschäftsführer Thorsten Treidel. Seit über zwei Jahrzehnten begleitet er Auszubildende auf ihrem Weg zum Berufsabschluss und erlebt dabei hautnah, wie sehr sich Ausbildung, Kommunikation und die jungen Generationen verändert haben.

Der Zeitungsartikel beschreibt offen und ehrlich die Spannungsfelder, die heute zur Ausbildung gehören: lockere Umgangsformen treffen auf formale Prüfungssituationen, Selbstbewusstsein wechselt sich mit großer Prüfungsangst ab. Als Prüfer, Ausbilder und Unternehmer kennt Thorsten Treidel beide Seiten: die Anforderungen der Wirtschaft ebenso wie die Sorgen und Unsicherheiten der Auszubildenden.

Gerade diese Perspektive macht den Artikel so lesenswert. Er zeigt, dass es nicht um Kritik an der „Jugend von heute“ geht, sondern um Verständnis, Verantwortung und die Frage, wie Ausbildung auch unter veränderten gesellschaftlichen Rahmenbedingungen erfolgreich bleiben kann.

Die duale Ausbildung steht heute mehr denn je zwischen zwei Welten. Auf der einen Seite erfahrene Ausbilder:innen und Prüfer:innen, die seit Jahrzehnten für Qualität und Standards einstehen. Auf der anderen Seite junge Menschen, die mit neuen Erwartungen, einer anderen Sprache und oft auch mit spürbarer Unsicherheit in ihre berufliche Zukunft starten. Genau dieses Spannungsfeld beleuchtet der Zeitungsartikel eindrucksvoll.

Wer über viele Jahre hinweg Auszubildende begleitet und Prüfungen abnimmt, erlebt den Wandel hautnah. Umgangsformen sind lockerer geworden, das „Sie“ verschwindet zunehmend, Begriffe wie „Digger“ gehören für viele junge Menschen zum Alltag. Das mag für ältere Generationen irritierend sein, ist aber vor allem Ausdruck gesellschaftlicher Veränderung, nicht mangelnden Respekts.

Gleichzeitig hat ein Thema deutlich an Bedeutung gewonnen: Prüfungsangst. Viele Auszubildende sind fachlich gut vorbereitet, scheitern jedoch beinahe an der Situation selbst. Leistungsdruck, Selbstzweifel und die Angst vor dem Scheitern begleiten sie bis in die Abschlussprüfung. Für Prüfer:innen bedeutet das einen sensiblen Balanceakt: objektiv bewerten, ohne den Menschen aus dem Blick zu verlieren.

Der Artikel macht deutlich, dass es dabei nicht um weichgespülte Anforderungen geht. Fachliche Standards bleiben unverzichtbar. Entscheidend ist jedoch, wie geprüft wird: klare Kommunikation, eine ruhige Atmosphäre und ein respektvoller Umgang können dazu beitragen, dass Leistung überhaupt abrufbar wird.

Ausbildung ist heute mehr als Wissensvermittlung. Sie ist Beziehungsarbeit, Vertrauensarbeit und Generationenarbeit. Wer bereit ist, zuzuhören, Veränderungen einzuordnen und gleichzeitig Haltung zu bewahren, schafft die Grundlage dafür, dass Ausbildung auch in Zukunft erfolgreich bleibt – zwischen „Digger“ und Prüfungsangst.

 

Hier könnt ihr den ganzen Artikel lesen:

NOZ